Geheimtipp für sparsame Entdecker: Diese blühende Ruinenstadt in Marokko verschweigen die Reiseführer im Januar absichtlich

Wenn die meisten Reisenden im Januar den Massen in überfüllten Skigebieten oder überheizten Wellnesshotels folgen, gibt es einen Ort in Marokko, der gerade jetzt seine schönste Seite zeigt: Volubilis. Die römischen Ruinen thronen majestätisch inmitten sanfter Hügel, die im Januar in sattem Grün erstrahlen – ein krasser Gegensatz zur sonst trockenen nordafrikanischen Landschaft. Für Reisende über 50, die nach authentischen Erlebnissen fernab ausgetretener Pfade suchen, bietet dieses UNESCO-Welterbe die perfekte Mischung aus kultureller Tiefe, angenehmen Temperaturen und überraschend günstigen Reisekosten.

Warum Volubilis im Januar besonders reizvoll ist

Der Januar verwandelt die Region um Volubilis in eine mediterrane Idylle. Während Europa friert, herrschen hier tagsüber angenehme 15 bis 18 Grad – ideal für ausgedehnte Erkundungen ohne die erschöpfende Hitze der Sommermonate. Die Winterregenfälle haben die Landschaft in ein Blütenmeer verwandelt, wilde Blumen sprießen zwischen den antiken Säulen, und die Luft ist klar genug, um bis zum Atlas-Gebirge in der Ferne zu blicken. Ein weiterer Vorteil: Die archäologische Stätte ist zu dieser Jahreszeit nahezu menschenleer, was ein kontemplatives Eintauchen in die Geschichte ermöglicht.

Die zeitlose Schönheit der römischen Vergangenheit

Volubilis war einst die südwestlichste Stadt des Römischen Reiches und diente als wichtiger Außenposten für den Handel mit Afrika. Was heute übrig bleibt, ist weitaus beeindruckender als viele erwarten würden: Der Triumphbogen erhebt sich noch immer stolz gegen den Himmel, prächtige Mosaikböden zeigen detailreiche Szenen aus der Mythologie, und die Überreste luxuriöser Villen zeugen von einem Wohlstand, der vor fast 2000 Jahren hier herrschte.

Besonders faszinierend sind die außergewöhnlich gut erhaltenen Mosaike im sogenannten Haus des Orpheus und im Haus der Venus. Diese Kunstwerke aus Millionen winziger Steinchen erzählen Geschichten von Göttern und Helden und demonstrieren eine handwerkliche Meisterschaft, die heute noch Staunen auslöst. Der Spaziergang entlang der Decumanus Maximus, der Hauptstraße der antiken Stadt, versetzt einen unmittelbar in eine andere Epoche – man kann förmlich das geschäftige Treiben römischer Händler und Bürger vor dem geistigen Auge sehen.

Erkundung ohne Eile

Ein Wochenende in Volubilis bedeutet nicht nur den Besuch der Ruinen selbst, sondern auch die Entdeckung der umliegenden Region. Die nahegelegene Heilige Stadt Moulay Idriss Zerhoun liegt malerisch auf zwei Hügeln und bietet authentische Einblicke in das moderne marokkanische Leben. Die verwinkelten Gassen, die sich spiralförmig den Berg hinaufwinden, sind ein architektonisches Wunder für sich. Von den oberen Aussichtspunkten eröffnet sich ein Panoramablick über die Ebene, in der Volubilis liegt – besonders stimmungsvoll in den späten Nachmittagsstunden, wenn das goldene Licht die Ruinen in warme Töne taucht.

Die Stadt Meknes, eine der vier Königsstädte Marokkos, ist nur etwa 30 Kilometer entfernt und perfekt für einen Tagesausflug geeignet. Hier pulsiert das Leben in den Souks, wo Gewürzhändler ihre aromatischen Waren anpreisen und Handwerker traditionelles Kunsthandwerk fertigen. Im Gegensatz zu den touristischeren Märkten in Marrakesch oder Fes sind die Preise hier fairer und die Atmosphäre entspannter.

Praktische Orientierung vor Ort

Die Anreise nach Volubilis gestaltet sich unkompliziert. Der nächstgelegene Flughafen ist Fes, von dort aus erreicht man die Region bequem mit einem Mietwagen oder per Sammeltaxi. Ein Mietwagen für ein Wochenende kostet etwa 80 bis 120 Euro und bietet die größte Flexibilität, um die Umgebung in eigenem Tempo zu erkunden. Die Straßen sind gut ausgebaut und die Beschilderung ist überwiegend zweisprachig in Arabisch und Französisch.

Alternativ verkehren regelmäßig Sammeltaxis – sogenannte Grand Taxis – zwischen Meknes und Moulay Idriss für etwa 3 bis 4 Euro pro Person. Von dort sind es nur noch etwa vier Kilometer bis zu den Ruinen, die man entweder zu Fuß bewältigen kann oder für die man ein lokales Taxi für ungefähr 5 Euro buchen kann. Diese Option ist nicht nur kostengünstig, sondern ermöglicht auch direkten Kontakt mit Einheimischen.

Unterkunft mit Charakter und kleinem Budget

Die Übernachtungsmöglichkeiten rund um Volubilis sind vielfältig und überraschend erschwinglich. In Moulay Idriss gibt es charmante Gästehäuser mit traditioneller Architektur, wo man für 30 bis 50 Euro pro Nacht ein sauberes Zimmer mit Frühstück erhält. Viele dieser Unterkünfte werden von Familien geführt, die stolz ihre Gastfreundschaft präsentieren und wertvolle Tipps für die Umgebung geben.

Wer etwas mehr Komfort sucht, findet in Meknes ein breiteres Angebot an Mittelklassehotels für 40 bis 70 Euro pro Nacht. Der Vorteil dieser Basis ist die bessere Infrastruktur mit Restaurants und Geschäften in Gehweite. Für die authentischere Erfahrung ist jedoch Moulay Idriss die bessere Wahl – das morgendliche Erwachen zum Ruf des Muezzins und der Blick auf die Ruinen von der Dachterrasse beim Frühstück sind unbezahlbar.

Kulinarische Entdeckungen für den schmalen Geldbeutel

Die marokkanische Küche ist ein Fest für die Sinne und muss dabei nicht teuer sein. In den lokalen Restaurants zahlt man für eine reichhaltige Tajine mit Gemüse oder Huhn zwischen 4 und 7 Euro. Dazu gibt es frisch gebackenes Brot und oft eine Vorspeise aus verschiedenen Salaten. Besonders empfehlenswert sind die kleinen Lokale, wo Einheimische essen – ein verlässlicher Indikator für Qualität und faire Preise.

Zum Frühstück genießt man am besten frische Msemmen (gefaltete Pfannkuchen) oder Harcha (Grießbrot) mit Honig und Olivenöl in einem Café für etwa 2 bis 3 Euro. Der marokkanische Minztee wird überall serviert und kostet selten mehr als einen Euro – perfekt für eine Pause zwischen den Erkundungen.

Auf den Märkten in Meknes können sich Selbstversorger mit frischem Obst, Oliven, Käse und Brot eindecken. Ein Picknick zwischen den Ruinen von Volubilis, während man den Blick über die grünen Hügel schweifen lässt, wird zu einem unvergesslichen Erlebnis und kostet nur wenige Euro.

Was man unbedingt sehen sollte

Der Eintritt zu den Ruinen von Volubilis kostet etwa 7 Euro – ein Schnäppchen für das gebotene Erlebnis. Plant mindestens drei Stunden für die Erkundung ein, mehr wenn ihr Fotografie liebt oder euch für Details interessiert. Die Stätte öffnet früh am Morgen, und ein Besuch zum Sonnenaufgang, wenn das Licht weich ist und die Temperatur noch kühl, ist besonders magisch.

Das kleine Museum am Eingang vermittelt wichtigen Kontext zur Geschichte und zeigt einige der wertvolleren Fundstücke. Die Basilika, das Kapitol und das Forum bilden das religiöse und politische Zentrum der antiken Stadt und sollten auf keiner Route fehlen. Besonders beeindruckend ist der Ausblick vom oberen Teil der Ausgrabungsstätte, wo man die gesamte Anlage überblicken kann.

In Moulay Idriss lohnt sich der Aufstieg zu den verschiedenen Aussichtspunkten, die kostenlos zugänglich sind. Das Mausoleum von Moulay Idriss I. ist für Nicht-Muslime zwar nicht zugänglich, aber die Atmosphäre der Pilgerstadt zu erleben und die besondere Architektur zu bewundern, ist bereits lohnenswert.

Tipps für entspanntes Reisen

Packt für Januar mehrere Kleidungsschichten ein – während die Tage mild sind, können die Abende kühl werden, besonders in den Bergen. Bequeme Wanderschuhe sind unerlässlich für die unebenen Pfade zwischen den Ruinen. Ein Hut und Sonnencreme schützen vor der überraschend intensiven Januarsonne in dieser Höhenlage.

Grundkenntnisse in Französisch sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Die Menschen in der Region sind geduldig und hilfsbereit, und mit Händen und Füßen kommt man meist weit. Ein paar Brocken Arabisch wie „Shukran“ (Danke) oder „Salam“ (Hallo) öffnen viele Türen und Herzen.

Bargeld ist wichtig, da Kreditkarten außerhalb größerer Hotels selten akzeptiert werden. Geldautomaten gibt es in Meknes reichlich, in Moulay Idriss jedoch kaum. Plant für ein Wochenende inklusive Unterkunft, Verpflegung und Transport etwa 150 bis 200 Euro pro Person ein – ein Bruchteil dessen, was viele europäische Städtereisen kosten würden.

Volubilis im Januar ist mehr als nur ein Reiseziel – es ist eine Einladung, die eigene Perspektive zu erweitern, Geschichte mit allen Sinnen zu erleben und dabei zu entdecken, dass die besten Reiseerfahrungen oft abseits der üblichen Routen und ohne großes Budget warten. Die Kombination aus kulturellem Reichtum, natürlicher Schönheit und authentischer Gastfreundschaft macht dieses Wochenende zu einer Investition in Erinnerungen, die weit über den materiellen Wert hinausgehen.

Welches antike Mosaik in Volubilis würdest du zuerst besuchen?
Haus des Orpheus
Haus der Venus
Triumphbogen
Decumanus Maximus
Basilika und Kapitol

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