Während die meisten Reisenden Nepal nur als Ausgangspunkt für Himalaya-Trekking betrachten, verbirgt sich im Kathmandu-Tal ein mittelalterliches Juwel, das insbesondere im Februar seine volle Pracht entfaltet. Bhaktapur, die „Stadt der Frommen“, liegt nur 13 Kilometer östlich der Hauptstadt und bietet eine faszinierende Zeitreise ins Nepal des 12. Jahrhunderts – ohne die Hektik Kathmandus und zu einem Bruchteil der Kosten vieler europäischer Städtetrips. Der Februar ist ideal für einen Besuch: Die Temperaturen bewegen sich tagsüber angenehm zwischen 15 und 20 Grad, der Himmel zeigt sich meist klar, und die fernen Himalaya-Gipfel bilden eine spektakuläre Kulisse für die terrakottafarbenen Tempel und gepflasterten Plätze.
Eine lebendige Museumsstadt mit authentischem Charme
Bhaktapur unterscheidet sich grundlegend von den üblichen Touristenzielen. Hier leben rund 80.000 Menschen inmitten eines architektonischen Gesamtkunstwerks, das seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die Stadt ist ein funktionierendes Freilichtmuseum, in dem Handwerker noch heute Töpferwaren auf traditionellen Scheiben formen, Weber an hölzernen Webstühlen arbeiten und Frauen Reis auf jahrhundertealten Steinplatten trocknen. Der Durbar-Platz mit dem beeindruckenden Fünfzig-Fenster-Palast bildet das Herzstück, doch die wahre Magie entfaltet sich in den verwinkelten Gassen, wo geschnitzte Holzerker über schmalen Durchgängen thronen und kleine Tempel an jeder Ecke zum Verweilen einladen.
Im Februar herrscht in Bhaktapur eine besondere Atmosphäre. Die klare Luft verstärkt die Kontraste zwischen den roten Ziegeldächern und dem intensiven Blau des Himmels. Morgens hüllt sich die Stadt in einen mystischen Dunst, durch den die ersten Sonnenstrahlen brechen und die goldenen Tempelspitzen zum Leuchten bringen. Diese Jahreszeit eignet sich perfekt für ausgedehnte Spaziergänge, da die Temperaturen angenehm mild sind und weder die sommerlichen Monsunregen noch die winterliche Kälte der Nächte den Aufenthalt beeinträchtigen.
Kulturelle Schätze zwischen drei königlichen Plätzen
Ein Wochenende reicht völlig aus, um Bhaktapur in seiner ganzen Tiefe zu erleben. Der Eintritt für ausländische Besucher beträgt etwa 14 Euro und gilt für die gesamte Aufenthaltsdauer – ein angemessener Beitrag für die Erhaltung dieses außergewöhnlichen Erbes. Beginnen Sie am Durbar-Platz, wo der bereits erwähnte Palast mit seinen kunstvoll geschnitzten Fenstern steht. Die Nyatapola-Tempel-Pagode, mit 30 Metern die höchste Nepals, ragt fünfstöckig in den Himmel und bietet von ihrer Plattform einen überwältigenden Rundblick.
Der Taumadhi-Platz, nur wenige Gehminuten entfernt, präsentiert sich lebendiger und ist von Teehäusern und kleinen Läden gesäumt. Hier spürt man das pulsierende Leben der Stadt besonders intensiv. Der dritte bedeutende Platz, Dattatreya, liegt im östlichen Teil und besticht durch seinen gleichnamigen Tempel sowie das Pujari-Math-Haus mit seinen legendären Pfauenfenster-Schnitzereien. Zwischen diesen drei Zentren erstreckt sich ein Labyrinth aus Gassen, in denen sich immer wieder unerwartete Durchblicke, versteckte Innenhöfe und kunstvolle Details offenbaren.
Handwerk und traditionelles Leben hautnah
Der Töpferplatz ist ein Muss für jeden Besucher. Besonders vormittags, wenn Dutzende von Töpfern gleichzeitig ihre Scheiben drehen und die fertigen Gefäße zum Trocknen in der Sonne aufgereiht werden, entsteht ein beeindruckendes Bild. Sie können den Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen, Fragen stellen und sogar selbst Hand anlegen. Die hier gefertigten Keramiken sind authentische Souvenirs zu fairen Preisen – kleine Schalen gibt es bereits ab 2 Euro, größere kunstvoll verzierte Stücke für 10 bis 15 Euro.
Ein weiteres Highlight ist der Besuch einer traditionellen Papiermanufaktur, wo nach alter Methode aus Lokta-Rinde handgeschöpftes Papier hergestellt wird. Auch Holzschnitzer öffnen oft ihre Werkstätten für neugierige Besucher. Diese authentischen Einblicke in jahrhundertealte Handwerkstraditionen machen Bhaktapur zu einem besonders wertvollen Reiseziel für kulturinteressierte Reisende.

Praktische Hinweise für einen komfortablen Aufenthalt
Anreise und Fortbewegung
Von Kathmandu erreichen Sie Bhaktapur bequem mit öffentlichen Bussen, die vom Stadtbus-Park etwa alle 15 Minuten abfahren. Die Fahrt dauert je nach Verkehr 45 bis 90 Minuten und kostet umgerechnet weniger als 0,50 Euro. Deutlich komfortabler und für Reisende über 50 empfehlenswerter ist ein privates Taxi für etwa 15 bis 20 Euro, das Sie direkt zu Ihrer Unterkunft bringt. Innerhalb Bhaktapurs bewegen Sie sich ausschließlich zu Fuß – die Altstadt ist für Autos weitgehend gesperrt, was zu ihrer angenehmen Atmosphäre beiträgt. Bequeme Schuhe sind unverzichtbar, da die Wege gepflastert und manchmal uneben sind.
Übernachtung mit Charakter und kleinem Budget
Bhaktapur bietet zahlreiche Gästehäuser in restaurierten Newari-Häusern, die authentisches Ambiente mit modernem Komfort verbinden. Für 20 bis 35 Euro pro Nacht finden Sie saubere Doppelzimmer mit eigenem Bad, oft mit Blick auf einen der historischen Plätze oder einen ruhigen Innenhof. Viele dieser Unterkünfte werden von Familien geführt, die wertvolle Tipps geben und für eine persönliche Atmosphäre sorgen. Einige verfügen über Dachterrassen, von denen aus Sie bei klarem Wetter die Himalaya-Kette bewundern können – im Februar sind die Chancen dafür besonders gut. Heizungen sind in dieser Preisklasse selten, doch die Häuser sind mit dicken Decken ausgestattet, und die Nachttemperaturen im Februar sind mit etwa 5 bis 8 Grad durchaus erträglich.
Kulinarische Entdeckungen
Die lokale Küche ist herzhaft, würzig und unglaublich preiswert. Ein traditionelles Dal Bhat – Linsensuppe mit Reis, Gemüsecurry und eingelegtem Gemüse – bekommen Sie in einfachen lokalen Restaurants für 2 bis 3 Euro, wobei Nachschlag üblich und im Preis inbegriffen ist. Bhaktapur ist berühmt für seinen Juju Dhau, den „König-Joghurt“, eine cremige süße Joghurtspezialität, die in traditionellen Tonschalen serviert wird und etwa 1 Euro kostet. Probieren Sie auch die Newari-Spezialitäten wie Chatamari, eine Art nepalesischer Pfannkuchen, oder Bara, herzhafte Linsenfladen. In den Teehäusern rund um den Taumadhi-Platz können Sie bei einer Tasse Masala-Chai (circa 0,50 Euro) das Treiben beobachten und mit Einheimischen ins Gespräch kommen.
Für das Abendessen empfehlen sich die Restaurants auf den Dachterrassen, wo Sie für 8 bis 12 Euro ein mehrgängiges Menü mit vegetarischen oder nicht-vegetarischen Optionen genießen können. Die Aussicht auf die beleuchteten Tempel bei Sonnenuntergang ist unbezahlbar.
Der Februar als perfekte Reisezeit
Der Februar gehört zur Trockenzeit in Nepal und bietet ideale Bedingungen für einen Städtetrip. Die Luftqualität ist deutlich besser als in den staubigen Monaten vor dem Monsun, und die Sichtweite erreicht ihr Maximum. An klaren Tagen können Sie von verschiedenen Aussichtspunkten in Bhaktapur bis zu sieben Achttausender sehen – ein atemberaubender Kontrast zur mittelalterlichen Stadtkulisse. Die Temperaturen sind für ausgedehnte Erkundungen perfekt: warm genug für bequemes Sightseeing tagsüber, kühl genug für erholsamen Schlaf nachts. Packen Sie leichte Kleidung für den Tag und eine wärmere Jacke für morgens, abends und die kühlen Tempelinnenräume ein.
Bhaktapur zeigt sich als Reiseziel von bemerkenswerter Authentizität, das kulturelle Tiefe mit praktischer Zugänglichkeit verbindet. Für reifere Reisende bietet die Stadt das perfekte Tempo: keine anstrengenden Trekkingtouren, sondern gemütliches Schlendern durch Geschichte und Gegenwart, intensive kulturelle Begegnungen und die Möglichkeit, in die Seele Nepals einzutauchen – und das alles zu Preisen, die einen längeren Aufenthalt oder häufigere Reisen ermöglichen. Ein Wochenende in dieser außergewöhnlichen Stadt wird zu einer Erinnerung, die weit über die paar Tage hinaus nachwirkt.
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